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Marion Dirks - Reden
Rede anlässlich der Entlassfeier der
Don-Bosco-Hauptschule am 18. Juni 2009
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern,
sehr geehrte Frau Gaußelmann, verehrte Gäste,
endlich ist er da, der große Tag, die Abschlussfeier
an eurer Schule. Viele von euch haben lange darauf
hingearbeitet und sich auf diesen Augenblick seit Wochen
oder gar Monaten gefreut: Endlich die Schule hinter sich
lassen. Aber ich bin mir sicher: je näher der Augenblick
kam, umso mehr Wehmut kam bei vielen auf.
Die Zeit der Sicherheiten, der relativen Geborgenheit
in Schule und Elternhaus, ist mit diesem Tag für viele
von euch vorbei. Neue, für euch unkalkulierbare Dinge
kommen auf euch zu. Ihr werdet neue Freiheiten gewinnen,
aber neue Freiheiten bedeuten auch immer, mehr
Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
„Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel richtig
setzen“. So hat es der tapfere kleine Wicki auch getan.
Mit der Entscheidung, wie es nach dem Hauptschul-
abschluss, dem Realschulabschluss oder dem Zeugnis
zum Übergang in die gymnasiale Oberstufe weitergehen
soll, sind die Segel für euch gesetzt, die zukunfts-
gerichtet sein sollten. Viele von euch haben sicher
neue Vorsätze für euer weiteres Leben gefasst und ihr
möchtet nun alles mit frischer Energie neu anpacken.
Bei diesem Gedanken an die Zukunft und dem Segeln in
die richtige Richtung taucht sicherlich auch die Frage
auf: Werde ich einmal Glück haben in meinem Leben,
werde ich glücklich sein?.
Doch: Worin besteht eigentlich dieses Glück? Ist man
glücklich, wenn man viel Geld hat? Es wäre nicht
ehrlich, wenn wir sagen würden, Geld spiele keine
Rolle. Wer in Armut lebt, wer hungert und kein Dach
über dem Kopf hat, dem wird es nicht leicht fallen,
sich glücklich zu fühlen. Andererseits wissen wir
aus der Geschichte, vielleicht sogar aus eigener
Anschauung, dass es Menschen gibt, die in freiwilliger
Armut leben und trotzdem – vielleicht auch gerade
deswegen - ein glückliches Leben führen.
Wenn also das Geld nicht allein das Lebensglück bringt,
was ist es dann? Ist es das öffentliche Ansehen,
das wir genießen? Ist man glücklich, wenn man
prominent ist, Karriere gemacht hat, sich in den
Medien wieder findet? Tagtäglich wird uns suggeriert,
dass ganz Deutschland etwas sucht – etwa den
Superstar, das Topmodel oder den Menschen des Jahres.
Ist nicht wirklich prominent doch nur der, der
Bedeutendes für die Menschheit geleistet hat:
etwa der große Wissenschaftlicher, der Forscher,
bedeutende Künstlerinnen und Künstler.
Wer kurzzeitig in irgendwelchen Chartlisten
auftaucht, ist nicht wirklich und letztlich auch
nicht nachhaltig prominent. Wenn man bedenkt, was
diese Leute alles treiben müssen, um immer wieder
Aufsehen zu erregen, um „in“ zu bleiben, dann darf
man sich fragen, ob sie wirklich glücklich sind.
Ist es dann vielleicht der Besitz von Dingen, die
man selbst hat und die anderen fehlen? Das tolle
Haus irgendwo am Strand, das große Auto mit dem
berühmten Markenzeichen auf oder an der Motorhaube,
der Privatjet auf dem Regionalflughafen oder die
Yacht in der Karibik, der edle Schmuck aus der
Designerwerkstatt – so wie es uns oft die Werbung
und die einschlägige Regenbogenpresse glauben
machen will? All diese Dinge sind vergänglich
und manchmal so schnell zerronnen wie gewonnen
und man stellt fest, dass es das wohl auch nicht
sein kann. Aber ist es dann vielleicht der
absolute Lebensgenuss, der glücklich macht?
Wie wenig das der Fall ist, wird euch schnell
klar, wenn ihr daran denkt, wie das mit den
tollen Feten ist. Die meisten von euch kennen
das: Da laufen die intensive Vorbereitungen, die
für euch wichtigen Leute sind gekommen, da wird
Essen aufgefahren, Getränke – auch alkoholische -
fließen in Strömen – und dann war es doch nicht
so, wie man sich das erträumt hatte. Am nächsten
Morgen gibt es manchmal einen faden Nachgeschmack,
einen verdorbenen Magen, üble Kopfschmerzen, ein
paar Glasscherben und ein Haufen Müll, den man
auch noch wegräumen muss. Nachhaltig glücklich
ist man also auch so nicht geworden.
Da gibt es einen Mann, der nach dem Glück sucht
und dies auch literarisch dokumentiert hat.
Vielleicht hat der eine oder andere das Buch
von Hape Kerkeling gelesen, in dem er seinen
Jakobsweg über 800 Kilometer unter dem Titel
„Ich bin dann mal weg“ beschreibt. Ein kurzes
Zitat: „Auf dem Camino – dem Pilgerweg – komme
ich mir vor wie in der Schule. Manche Dinge lerne
ich spielend und gerne. Wenn ich Glück habe, mag
ich den Lehrer auch noch. Dinge, die schwieriger
sind oder mir nicht in den Kram passen, weil ich
sie nicht verstehe, werden ausgeblendet.“
Er beschreibt Menschen, denen er begegnet ist
und die ihm vermittelt haben, was zum glücklichen
Leben dazu gehört: Vertrauen, Humor, Gegen-
wärtigkeit, Herzlichkeit, Konstanz, Aufmerksamkeit,
Gelassenheit, Konsequenz, Loslassen, Mut,
Veränderung, Fürsorge, Leidensfähigkeit.
Dieses Glück wünsche ich euch. Gute Freunde,
Halt in der Familie und Freude über die vielen
kleinen Dinge des Lebens, dann werdet ihr auch
die großen Schritte mit Begeisterung gehen können.
„Man kann den Wind nicht ändern – aber die
Segel richtig setzen“. Macht euch auf den Weg,
setzt die Segel – meine guten Wünsche
begleiten euch.
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