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Rede zum Sommerempfang am 29. Mai 2015 in der Domschenke Groll
- es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,,

Sommerempfang zum dritten. Daran hätte ich im Traum nicht gedacht, als ich Sie als meine Unterstützer für eine unabhängige Kandidatur für das Bürgermeisteramt vor elf Jahren zum ersten Male eingeladen hatte. Als mich meine Familie, meine Nachbarn, Freunde und Bekannte tatkräftig unterstützte. Als Sie als Vertreter der Vereine und Verbände mich zum ersten Male als Bürgermeisterkandidatin wahrnahmen.

Nun bin ich seit fast elf Jahren im Amt. Wir haben gemeinsam in und für Billerbeck viel erreicht. Aber noch mindestens genauso viel vor. Daher habe ich mich auch, nach Rücksprache mit meiner Familie natürlich entschlossen, erneut anzutreten, um als Vorsitzende des Rates und als Vorgesetzte in der Stadtverwaltung weiterhin dafür zu arbeiten, dass wir in unserer Stadt gut leben, arbeiten und natürlich auch feiern können.

Und so begrüße ich Sie alle heute Abend herzlich zu meinem Sommerempfang. Ich freue mich sehr, dass Sie da sind.
Nun habe ich mich auch gefragt: Wo sind die Jahre geblieben? Was hast du überhaupt erreicht? Das wird mir in der Tat erst bewusst, wenn ich genau hinschaue. Wobei ich immer ganz deutlich mache: Ganz alleine erreiche ich nichts. Für die meisten Entscheidungen muss ich den Rat überzeugen. Das gelingt sehr oft. Und ich brauche Sie – als Mitgestalter unseres Stadtlebens. Eine Tatsache hat mit besonders geholfen: als parteilose Bürgermeisterin bin und bleibe ich unabhängig, kann Mehrheiten suchen und unvoreingenommen mit jedem sprechen.

Die Gründung unserer Gemeinschaftsschule zur Sicherung unseres Schulstandortes wäre niemals gelungen, wenn wir nicht über alle Parteigrenzen hinaus gut zusammengehalten hätten. Dass wir Schulsozialarbeit brauchen, war uns allen bewusst. Die Gründung einer unabhängigen Fachstelle für Schulsozialarbeit war in der Tat meine Idee, die dann gemeinsam umgesetzt wurde. Wir konnten endlich unser Jugendzentrum von den blauen Pavillons in das Realschulgebäude verlegen, die Idee eines aufmerksamen Mitarbeiters.
Wir konnten die Radbahn Münsterland auf der stillgelegten Bahntrasse bauen – dafür benötigte ich zugegeben mehrere Anläufe im Rat. Mehrere Bürgerradwege konnten gebaut werden, die nächsten Radwege stehen an.

Das zentrale Thema der vergangenen Jahre war die Entwicklung eines integrierten Handlungskonzeptes für die Innenstadt, um für wichtige Maßnahmen zur Stärkung unseres Stadtzentrums Fördermittel zu erhalten. Hier steht im nächsten Jahr der barrierefreie Umbau von Lange Straße und Markt an.
Auch die Einsetzung eines Citymanagements zur Unterstützung der Kaufleute und der Immobilieneigentümer, um die Weiterentwicklung unserer Innenstadt voran zu bringen, ist nun finanziert. Leider hat der zuständige Ausschuss die Beauftragung eines Fachbüros auf die Zeit nach den Wahlen vertagt. Damit geht wieder wertvolle Zeit ins Land.

Es würde in der Tat zu weit führen, alle Projekte zu benennen, die gestemmt werden konnten. Auf jeden Fall sind alle wichtigen Zukunftsfragen dabei, sei es Familienförderung durch Einsetzung einer Kommunalen Familienbeauftragten, Mobilität durch die initiative Bürgerbus, Domkontor im Bereich Innenstadtstärkung, neue Gewerbeflächen für Betriebe. Die Liste ist lang.

Doch viel spannender ist die Frage: Wie stelle ich mir, wir stellen wir uns Billerbeck im Jahre 2020 vor?
Zum einen wünsche ich mir sehr, dass wir an einem Strang ziehen, im Rat und in unserer Stadtgesellschaft. Wir haben ein Konzept zur Weiterentwicklung unseres Stadtzentrums – daran sollten wir auch gemeinsam arbeiten! Es schadet unserer Stadt, wenn einzelne, wie jüngst bei der möglichen Ansiedlung des Rossmann-Marktes geschehen, Störfeuer anzünden, um Projekte zu verhindern.

Die Firma Rossmann wurde mit Anrufen überhäuft. So etwas hat der zuständige Expansionsbeauftragte noch nicht erlebt. Und sicherlich haben nicht die angerufen, die auf die Unterschrift auf den fertig ausgehandelten Mietvertrag gehofft haben. Sondern diejenigen, die auf Kandidatenaufstellungs- und Mitgliederversammlungen öffentlich verlauten ließen, es gäbe „neue Lösungen“ für einen Drogeriemarkt-Standort. Und die Folge: Vor der Bürgermeister-Wahl gibt es keine Entscheidung.
Da brauchen wir nun einmal wieder Geduld, doch der Schwerpunkt ist klar. Leben findet innen statt. Ohne ein Stadtzentrum mit Handel, Gastronomie und Dienstleistungen verlieren wir unsere Identität. Dafür werde ich mich weiterhin einsetzen.

Ein weiterer Schwerpunkt sind für mich die Familienpolitik und das bürgerschaftliche Engagement. Auch hier ist ein Gesamtkonzept erforderlich, damit wir uns darüber verständigen, welche Angebote Familien jeden Alters benötigen. Und auch erkennen, wer für wen was leisten kann. In diesem Zusammenhang sollte auch eine Anlaufstelle Ehrenamt entstehen, gerne auch in Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden.
Unsere lokale Wirtschaft einschließlich der Landwirtschaft ist der Motor des derzeitigen finanziellen Erfolges unserer Stadt. Als einzige Gemeinde im Kreis Coesfeld verfügen wir über so hohe Steuereinnahmen, dass wir keine allgemeinen Zuweisungen des Landes mehr erhalten. Unsere Jahresabschlusse 2012, 2013 und 2014 weisen Überschüsse aus, wir bauen weiter Schulden ab. Natürlich sind wir auch weiterhin sparsam und schauen genau, wofür Geld eingesetzt wird.
Damit weiter so gut gewirtschaftet werden kann, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. So ist der Breitbandausbau mit all seinen Zwischenschritten eine wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre.

Ein Plan, einen Masterplan, brauchen wir auch für den Bereich Tourismus. Für Billerbeck als Perle der Baumberge ist er ein wichtiges Standbein, ebenso wie für die anderen Baumbergegemeinden. Daher werden wir ihn gemeinsam auf den Weg bringen, um noch mehr Gästen unsere wunderschönen Baumberge nahezubringen.
Auch hier kann ich nur einige der Herausforderungen aufzählen, vor denen wir stehen. Uns allen muss klar sein, dass wir das Allgemeinwohl in den Vordergrund stellen müssen. Es kann und darf nicht sein, dass sicherlich verständliche Einzelinteressen die Stadtentwicklung hemmen. Sei es bei der Entwicklung der Innenstadt, bei der Ausweisung von neuen Wohngebieten oder bei der Aufnahme unserer Flüchtlinge. Jeder muss sich ein wenig zurücknehmen, damit wir gemeinsam erfolgreich sind.