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Marion Dirks - Reden


Rede anlässlich der Dankeschön-Veranstaltung für
ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger,
am 25. April 2008, in der Mensa der Don-Bosco-
Gemeinschaftshauptschule

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

23 Millionen Menschen in Deutschland - fast jeder Dritte
über 14 Jahre - sind bürgerschaftlich engagiert. Und es
sind überwiegend Frauen, die  in Bereichen mit relativ
hohen Anforderungen und Belastungen arbeiten. 
Wie viele dies in Billerbeck sind,  haben wir bislang
nicht ermittelt. Auf der bundesweiten Grundlage müssten
dies rund als 3000 Billerbeckerinnen und Billerbecker sein,
die sich in irgendeiner Form ehrenamtlich engagieren.

Sie, sehr geehrte Damen und Herren, gehören dazu.
Ich möchte Sie im Namen der Stadt Billerbeck herzlich
willkommen heißen zu einem Abend, der nur ein ganz
kleiner Dank sein kann für das, was Sie für unsere Stadt
leisten.

Mein Dank geht auch an die Sparkasse Westmünsterland –
Herzlich Willkommen Karl Heinz Herter - , die das Ehrenamt
in besonderer Weise unterstützt und dazu beiträgt, dass
wir Ihnen heute diesen Rahmen bieten können.

Anlässlich des Stadtjubiläums im Jahre 2002 fand zum
ersten Male ein solcher Abend statt. Lange hat sich der
zuständige Ausschuss für Jugend, Familie, Senioren und
Kultur darüber Gedanken gemacht,  in welcher Form
ehrenamtlich tätige Bürgerinnen und Bürger geehrt
werden können. Ganz bewusst gibt es in unserer Stadt
keinen Ehrenamtspreis. Wer will schon den Wert
bürgerschaftlichen Engagements ermitteln?

Nach welchen Kriterien sollten engagierte Menschen
besonders herausgehoben werden können? Der
Ausschuss entschied, den Weg der Dankeschön
Veranstaltung zu gehen, von  nun an in regelmäßigen
Abständen. Geben Sie diesen Dank weiter in Ihren
Vereinen und Gruppen, in Ihrem Familien- und
Bekanntenkreis.

Dennoch möchte ich angesichts des für uns alle
besonders schwierigen Jahres 2007 eine Ausnahme
machen und eine Gruppe besonders erwähnen.
Tragische Unfälle und große Brände, die die Helferinnen
und Helfer auch persönlich vor eine Aufgabe bisher nicht
gekannten Ausmaßes stellte, haben der Freiwilligen
Feuerwehr Billerbecks besonders viel abverlangt.
Daher möchte ich noch einmal Ihnen, liebe Kameradinnen
und Kameraden, öffentlich herzlich Danke sagen.

Von Theodor Heuss stammt der Ausspruch: "Demokratie
lebt vom Ehrenamt." Doch nicht nur unsere Demokratie,
auch unsere soziale Sicherung und unser kulturelles
Leben beruhen auf der Bereitschaft zum freiwilligen
Einsatz für andere. Diese Bereitschaft ist nicht
selbstverständlich, sondern muss sorgsam gepflegt
werden.

Sie, sehr geehrte Damen und Herren, engagieren sich
aus ganz unterschiedlichen Motiven: die einen aus
christlicher Nächstenliebe, andere deshalb, weil sie aktiv
teilhaben wollen am Leben einer Gruppe oder weil sie
Lebenssituationen gemeinsam besser bewältigen. Viele
werden ganz einfach deshalb aktiv, weil es Spaß macht,
Dinge selber zu regeln. Aber für alle gilt: Helfen macht
Freude.

Jung und Alt zeigen heute große Bereitschaft, sich
ehrenamtlich zu engagieren. Es ist schön zu sehen, dass
freiwilliges Engagement stetig wächst und auch immer
neue Anstöße gibt. Nennen möchte ich hier den jüngsten
Verein Billerbecks, den gerade gegründeten
„Berkelspaziergang e.V.“, aber auch die Gründung des
Lokalen Bündnisses für Familie Billerbeck, die gerade
erfolgt ist.

Freiwilliges Engagement ist eine kostbare Quelle,
Probleme zu bewältigen, die es innerhalb unserer
Gesellschaft gibt. Der Staat kann nicht alles regeln.
Es gibt viele Bereiche, in denen wir uns durch den
ehrenamtlichen Einsatz von Mensch zu Mensch besser
umeinander kümmern können, als es der Staat je könnte.

Freiwillige Arbeit baut Brücken innerhalb einer Gesellschaft
und zwischen Gesellschaften, zwischen reicheren und
ärmeren Menschen, zwischen Älteren und Jüngeren.

Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist oft ähnlich wie und doch
so anders als die der Hauptamtlichen; in ihren Erfolgen
und in ihren Stärken ergänzen sie sich. Die Idee einer
gerechten Gesellschaft können wir erst dann ganz
verwirklichen, wenn wir die freiwillige und spontane
Solidarität der Bürgerinnen und Bürger fördern und
herausfordern. Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe und
Solidarität sind unbezahlbare Werte. Sie können weder
durch Gesetz noch durch Verordnungen erzwungen
werden. Sie müssen praktisch gelebt werden. Sie werden
von den vielen gelebt, die anderen das Wertvollste
schenken, über das sie verfügen: ihre Zeit.

Bürgerschaftliches Engagement kann auf Ressourcen
zurückgreifen, die weder dem Staat noch dem Markt zur
Verfügung stehen: flexible Zeiteinteilung, lokale
Netzwerke, vertrauensvolle Beziehungen und nicht
zuletzt der Idealismus der Engagierten. Es gibt viele
gute Beispiele, wie staatliches und bürgerschaftliches
Engagement sich ergänzen.

Wir alle wissen, dass das Ehrenamt sich wandelt. Oder
besser gesagt: Die Bedingungen ändern sich, unter
denen freiwillige Arbeit stattfindet und die Strukturen des
Ehrenamts ändern sich. Es sind nicht die Ehrenamtlichen
selbst, die sich verändern oder die Bereitschaft, etwas für
das Gemeinwesen zu tun.

Die Zahlen sind eindrucksvoll und widersprechen der
gelegentlich zu hörenden Behauptung, unsere Gesellschaft
werde insgesamt kälter, egoistischer und rücksichtsloser.
An der hohen Bereitschaft der Menschen, sich ehrenamtlich
zu engagieren, hat sich also nichts geändert.

Was sich aber geändert hat, das sind die Bedingungen,
unter denen soziales Engagement stattfindet. Lassen Sie
mich einige Herausforderungen, vor die uns dieser Wandel
stellt, kurz benennen:

Der ganz überwiegende Teil ehrenamtlicher Tätigkeit
findet nach wie vor in und über bewährten Strukturen
und Organisationen statt:
über die Wohlfahrtsverbände und die Sportvereine, über
die Parteien, die Kirchen und die vielen anderen
Einrichtungen, die das Netz bilden, das unsere Gesellschaft
zusammenhält. Wir müssen dafür sorgen, dass diese
Strukturen stark und lebendig bleiben und sich immer
wieder erneuern.

Viele, vor allem junge Menschen bevorzugen heutzutage
ein stärker punktuelles, auf einzelne Projekte gerichtetes
Engagement. Hier kommt den "Freiwilligenagenturen"
wachsende Bedeutung zu. Mit ihrer Hilfe lassen sich
vielleicht auch viele jener Bürgerinnen und Bürger
mobilisieren, die grundsätzlich bereit wären, ehrenamtlich
etwas zu tun, aber nicht so recht wissen, wie und wo sie
das am besten tun können.

Ich bin froh, dass  in Billerbeck im Rahmen des Projektes
„Ab in die Mitte“ der Anstoß gegeben worden ist für eine
solche Freiwilligenagentur.

In einer Zeit, in der pure Selbstverwirklichung als
besonders erstrebenswert gilt - oder zumindest als
erstrebenswert dargestellt wird,  möchte der Einzelne
auch mehr Einfluss auf die Art und Weise nehmen, in der
er freiwillig tätig ist. Es ist völlig legitim, Ehrenamt und
Selbstverwirklichung miteinander zu verbinden. Das
Ehrenamt ist ein Dienst - aber es ist auch die Chance,
seine Umgebung, unser Miteinander, unsere Gesellschaft
mitzugestalten.

Alle Programme und Vorhaben, alle Projekte und Pläne
wären vergeblich, ließen sich nicht Menschen finden, die
bereit wären mitzuhelfen.

Menschen, die ein großes Projekt verwirklichen - oder die
ganz einfach dort anpacken, wo sie gerade stehen, mit
den Mitteln, über die sie verfügen und die denjenigen
helfen, denen sie begegnen.

Menschen, die nicht sagen: 'Man kann doch nicht allen
helfen' - und deshalb keinem helfen.

Menschen, die spüren, dass wir nicht nur für das
verantwortlich sind, was wir tun, sondern auch für das,
was wir nicht tun.

Sie geehrte Damen und Herren gehören zu diesen
Menschen und sind damit Vorbilder. Wir schulden Ihnen
Dank und Anerkennung. Ich hoffe sehr, dass Sie diesen
Abend genießen, dass Sie sich durch das Programm
angenehm unterhalten lassen und dass Sie die Zeit für
anregende Gespräche nutzen können.

Viel Spaß.

Marion Dirks

Weihgarten 2
48727 Billerbeck

Telefon 02543 25260
Telefax 02543 25261
info@mariondirks.de

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